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Die sieben Energiezentren,
die sieben cakraḥ,
stehen mit  Körperregionen
in Verbindung:



7.cakra ~ sahasrāra-cakra : Scheitel

6. cakra ~ ājňā-cakra :  Stirn zwischen den Augenbrauen

5. cakra ~ vișuddha-cakra : Kehlkopf

4. cakra ~ anāhata-cakra : Herzorgan

3. cakra ~ maṇipūra-cakra :  Magen, Nieren

2. cakra  ~ svādhiṣṭhana-cakra :  Kreuzbein

1. cakra ~ mūlādhāra-cakra :  Steißbein



Empfohlene Literatur:

Die Seelendimension des Yoga
Autor : Heinz Grill, siehe
Lesetipps
Die sieben Energiezentren - die sieben cakraḥ:
Träger spezifischer Seelen- oder Bewusstseinskapazitäten



Ist der Mensch im Alter von Mitte 20 ausgewachsen, häuft er danach nur noch Wissen an und altert schließlich? Muss man beim Älterwerden immer mit geistigen Einbußen rechnen? Reicht ein bloß „methodisches“ Training, um dem zu entgehen? Was trägt zu Gesundheit des Menschen bei? Die Bedeutung der cakraḥ in der Yoga-Wissenschaft beleuchtet diese interessanten Fragen neu.

Ein übergeordnetes Ziel des Yoga ist es, die innere Freiheit des Menschen zu erkennen. Aus dieser zunehmenden Unterscheidungsbildung folgt, dass der Erkennende lernt, die innere Freiheit des Menschen zu fördern. Dieser ungemein große Zusammenhang wirft weit reichende Lebensfragen und insbesondere Entwicklungsschritte für den Erwachsenen auf: Für jeden Erwachsenen wird es im Laufe seines Lebens wesentlich, dass er dem Geistigen, dem Ursächlichen, zunehmend Beachtung schenkt und daraus schließlich inhaltsvolle Schritte formt.


Ein wesentlicher Bereich auf diesem Weg der Entwicklung stellen sieben unterschiedliche Aspekte des Bewusstseins dar. Diese Aspekte werden mit sieben Energiezentren oder sieben cakraḥ benannt. Diese sieben cakraḥ können als seelisches Vermögen bzw. als Bewusstseinsvermögen im Menschen betrachtet werden.
Ohne eigenständige Übung kommen diese jedoch nur relativ eingeschränkt zur Entfaltung. Insbesondere das 5.cakra (vișuddha-cakra), das 6.cakra (ājňā-cakra) und das 7.cakra (sahasrāra-cakra; siehe Tabelle links) sind dem Menschen ohne Übung meist wenig bzw. gar nicht verfügbar, deshalb auch schwierig erkennbar. Man kann sich das so vorstellen, dass jedem Menschen außer den fünf Sinnen, die uns wohlbekannt sind, weitere Sinne veranlagt sind.


Das Wort „Energiezentrum“ ist für den heutigen Menschen ausgesprochen irreführend. Weit verbreitet ist z.B. der Irrtum, ein Energiezentrum stelle einen Pool von Energie dar, aus dem der einzelne für sich schöpfen könne. Ein anderer Irrtum lautet, je mehr man ein Energiezentrum bei sich selber entwickeln würde, um so mehr Energie stünde für einen zur Verfügung, zur Steigerung von Vitalität, Macht, Genuss oder im Sinn einer heute recht modernen „Selbstoptimierung“.
Für ein Verständnis der Energiezentren kommt es den Tatsachen näher, wenn man sich die sieben cakraḥ vorstellt als Träger von spezifischen Seelen- bzw. Bewusstseinskapazitäten.
Ein weiterer häufiger Irrtum ist, eine Entwicklung der seelischen Kapazitäten als schieren Luxus abzutun in dem Sinn, dass der Erwachsene sich unmöglich über das alltägliche Leben hinaus zusätzlich noch weit reichenden, d.h. tief gehenden Lebensfragen zuwenden könne; Lebensfragen wie Woher komme ich? Wohin gehe ich (nach dem Abscheiden des Körpers)? Was ist der Sinn des irdischen Lebens?. Man könnte z.B. denken, es würde weder die Zeit noch die Kraft hergeben, solchen Fragen nachzugehen; oder das müsse man den „dafür zuständigen“ Institutionen, z.B. Kirchen, überlassen.
All diese Annahmen sind viel zu klein und auch zu materialistisch gedacht. Vielleicht gehen sie von einem verheerend kleinen Menschenbild aus!
Einer zumindest wahrheitsgemäßeren Vorstellung entspricht es, dass so wie jeder Körper regelmäßige ausgewogene Nahrung benötigt, jedes Bewusstsein auf regelmäßige eigenaktive Erbauung angewiesen ist.  


Die cakraḥ liegen nicht als Körpermaterie, sondern feinstofflich vor. Z.B. in den Körperdrüsen mit ihrer Hormontätigkeit kann man manche Wirkung schließlich in der Materie, also im Körper erkennen und nachverfolgen.   

Dem Menschen erwachsen durch Entwicklung dieser cakraḥ spezifische Seelenaspekte.
Das geschieht in den ersten Lebensjahren eher „von selbst“: Bis rund 21 Jahre veranlagen sich in jedem Menschen drei dieser sieben cakraḥ, und zwar in Zeitrhythmen von jeweils sieben Jahren. D.h., das erste cakra (mūlādhāra-cakra) legt sich bei jedem Menschen etwa von der Geburt bis zum siebten Lebensjahr an; das zweite cakra (svādhiṣṭhana-cakra) legt sich etwa von sieben bis 14 Jahren an, das dritte cakra (maṇipūra-cakra) von ca. 14 bis 21 Jahren (siehe Tabelle links oben).
Diese drei verschiedenen seelischen Kapazitäten sind mehr oder weniger vollständig im ca. 21-Jährigen veranlagt. Zu einem Teil entsteht diese Veranlagung durch das Elternhaus, das soziale Umfeld wie Lehrer, Freunde, Nachbarn, und das weitere gesellschaftliche Umfeld.



Die ersten drei cakraḥ des Heranwachsenden

Um diese Veranlagung von der Geburt bis zum ersten Erwachsenwerden mit rund 21 Jahren zu veranschaulichen, sollen im folgenden ein vierjähriges Kind, ein Neunjähriger und ein vierzehnjähriger Jugendlicher skizziert werden.
Es erscheint dem Erwachsenen ja ganz selbstverständlich, dass sich Heranwachsende in diesen genannten drei Altersstufen deutlich voneinander unterscheiden, d.h. sich in jeweils vollkommen anderen, ganz spezifischen Entwicklungsphasen befinden.

Der Vierjährige ist mit körperlichem Wachstum sozusagen beschäftigt. Eigenständig aktiv ist der Vierjährige vor allem im Nachahmen von Älteren bzw. Erwachsenen. Deckt z.B. ein älteres Geschwister den Tisch für eine Mahlzeit, möchte der Kleine es ihm gleich tun und ist - für den Erwachsenen erkennbar - zufrieden, auf einfachste bzw. altersgemäße Weise beteiligt zu werden.

Der Neunjährige ist bereits wesentlich differenzierter aktiv, u.a. in der Beziehung zu seiner Umgebung. Kann man den Vierjährigen mit einem bloßen Verbot, nicht auf den heißen Herd zu fassen, bremsen, reicht das für den Neunjährigen bei weitem nicht mehr aus. Er will und kann detailllierter an seiner Umgebung teilnehmen. Erklärungen werden wichtiger, insbesondere das Fühlen für das Kind, dass der Erwachsene ein Vorbild für ihn darstellt. Genauer gesagt wünscht sich das Kind in diesen Lebensjahren insgeheim regelrecht den Erwachsenen als Vorbild: Den Vater oder die Mutter, denen es eine kleine Verantwortung abnehmen darf, denen es eine Bastelei schenken will; den Lehrer, dem es die Tür aufhalten will, usw.. Das Kind will allgemein gesprochen dem Erwachsenen, den es verehrt, „zuarbeiten“, eine Freude bereiten.
Wenn solche Verhaltensweisen heutzutage tendentiell vielleicht abnehmen, sollte nicht unbedingt gefolgert werden, dass die hier getätigten Aussagen nicht richtig wären. Dazu an späterer Stelle mehr.
Ein anderer wesentlicher Zug der Veranlagung ist das Scherzen. Der Neunjährige wird häufig für Späße gegenüber sich selber offen sein und selbstverständlich anderen Streiche spielen wollen. Betont sei hierbei, dass ein Streich in einem wirklich humorvollen Rahmen bleibt und nicht auf Kosten Dritter geht. Es sollte keinerlei Schaden entstehen für Personen, Naturerscheinungen oder Sachgegenstände. Auf diese Weise integriert sich im Kind das, was dem Humor eigen ist, harmonisch.

Noch einmal anders erleben wir als Erwachsene den Vierzehnjährigen. In diesem Zeitraum von ca. 14 bis 21 Jahren veranlagt sich ein cakraḥ im Menschen, welches sich nach Außen deutlich expansiver gebärdet im Vergleich zum Lebensalter von sieben bis vierzehn Jahren. Der Jugendliche kommt damit gleichzeitig in die Pubertät. Als Hauptphase der Pubertät kann man sicherlich das Alter von 12, 13 Jahren bis 16, 17 Jahre ansehen.
Der Vierzehnjährige drängt zunehmend aus der Familie heraus, er nabelt sich vermehrt von der Familie ab, wie wir es auch so bildreich nennen. Dies kann durch Hobbies oder durch verstärkten Kontakt mit Freunden geschehen. Begabungen und Talente kommen in diesen Lebensjahren vermehrt ans Licht bzw. suchen sich einen Weg der Äußerung, z.B. in Hinblick auf Bewegungskunst in Sportarten oder in „klassisch“ künstlerischer Hinsicht wie zeichnend, musizierend, schriftstellernd, oder als weiteres Beispiel kommunikativ begabt, in einem außerordentlich verbindenden Sinn.
Der Jugendliche will sich auch gerne messen, z.B. im Kurzstreckenlauf, beim Skateboarden oder im Wortgefecht. Er beginnt in diesen Lebensjahren insbesondere sehr differenziert und auch kritisch zu denken. Die Lust auf endlose Debatten scheint keine Grenzen zu kennen, was für den Erziehenden eine außerordentlich starke Anforderung bedeuten kann.  

Dem Leser ist womöglich nicht entgangen, dass sich der innere Mensch, das ist die individuelle Seele oder der jīva, während der ersten rund 21 Jahre in die irdischen Gegebenheiten regelrecht hineinzuarbeiten beginnt: In den ersten Lebensjahren äußert sich das eher elementar, nämlich in ausgeprägtem Körperwachstum und einem unbandigen Antrieb, z.B. laufen, sprechen zu lernen. Mit zunehmenden Jahren differenziert sich der Heranwachsende in seiner Individualität weiter aus. Man denke nur einmal daran, wie unterschiedlich man Geschwister in Jugendjahren erleben kann, vom Äußeren her und insbesondere was ihre Interessen und Veranlagungen anbelangt.



Die Entwicklung der cakraḥ beim Erwachsenen

Beim Kind und Jugendlichen legen sich durch das Heranwachsen allgemeingültige Seelenqualitäten in Form der ersten drei cakraḥ mit individueller Ausprägung jedes Menschen an. Dies wurde oben in Ansätzen skizziert.
Beim Erwachsenen hingegen braucht die Weiterentwicklung dieser drei cakraḥ sowie auch die Weiterentwicklung der nachfolgenden vier cakraḥ eine bewusste, eigenständige Aktivität und Lenkung.
In Hinblick auf die Betrachtung der cakraḥ beim Erwachsenen sind wir bei der Sinngebung und den Möglichkeiten einer ganzheitlichen Yoga-Übungspraxis angelangt, welche den Geist des Menschen, das sog. Ich, integriert bzw. sogar an den Anfang stellt.


Fortsetzung folgt ...




  
Bernd Klane und Ursula Klane
Friedrichshafen / Bodensee
                                 
E-Mail: info@yoga-in-friedrichshafen.de
Tel. 0 75 41 / 37 27 08

Sieben cakra des Yoga