Yoga

 in  

Friedrichshafen

 

Aktuell

 

 

 

 

 

 

Yoga in FN
Erwachsene
Kursplan
Meditation
Lesetipps
Über uns
Links
Die Ordnung der Seelenkräfte als Basis der Selbstwerdung

TEIL 2 : Die Unterscheidung der Seelenkräfte in der Yoga-Übungspraxis

Von Bernd Klane


Man mag sich fragen, wozu eine Auseinandersetzung mit dem Thema Seelenkräfte dienen soll, wenn man nicht gerade als Pädagoge oder Psychologe tätig ist. Sind wir als Erwachsene nicht einfach so, wie wir sind, nach einem Werdeprozess unter Einfluss von Familie, Lehrern, Gesellschaft und Kultur?

Vielleicht konnte durch den einleitenden Essay in Teil 1 erahnbar werden, dass es ein gutes Stück innere Autonomie schenkt, das Wirken der Seelenkräfte in uns kennen zu lernen, diese zuordnen und klären zu können. Das Ordnen und Klären der Seelenkräfte findet man als grundlegenden Entwicklungschritt für Erwachsene bei griechischen Philosophen, im Buddhismus, bei bedeutenden Persönlichkeiten der neuzeitlichen Wissenschaft sowie in bestimmten christlichen Übungswegen. Das Wissen und das rechte Verstehen ist aber praktisch völlig verschüttet und dies zeigt sich heute als Defizit im Umgang der Menschen untereinander und mit der Welt als Ganzes. Genauer gesagt zeigt es sich darin, dass unsere westliche Gesellschaft mit den Konflikten, mit der die Zeit uns konfrontiert, keinen produktiven Umgang mehr findet. Der Ausspruch „Man kann Probleme nicht mittels eines Denkens lösen, das diese Probleme hervorgebracht hat“ findet zwar vordergründig große Akzeptanz, was aber ein neuartiges, weiterführendes Denken sein könnte, bleibt offen 7).


Das besondere an der Yoga-Übungspraxis, wie sie hier vermittelt wird, kann man nun darin sehen, dass man nicht erst Philosophie, Pädagogik oder andere Fachbereiche studieren muss, um die Inhalte zu erfassen und das Erlernte selbst umzusetzen. Man lernt unmittelbar anhand der Yogaübung, die Seelenkräfte richtig anzuwenden und lernt sie darüber differenziert kennen. So sammelt man im Umgang mit sich selbst unmittelbare Erfahrung, und kann dies bei entsprechender Disziplin und etwas Kontinuität in anderen Lebensgebieten produktiv anwenden. Es entsteht relativ schnell die Fähigkeit, sich selbst mehr zu vertrauen und sich innerlich autarker zu führen. Dieses Herangehen ist grundlegender Teil eines geisteswissenschaftlich gegründeten Yoga-Weges. Hier geht man von dem Bewusstsein des heutigen Menschen in der westlichen Welt aus und hat doch das zeitlose Ziel des Yoga im Auge, geistige Wahrheiten zu erkennen und in das Leben zu integrieren.


Ist jeder Yogastil auf die Weiterentwicklung der Seelenkräfte ausgerichtet ?

In den letzten Jahrzehnten hat der Begriff Yoga viel Aufmerksamkeit gefunden. Dies regte die Entwicklung vielfältiger Übungsstile mit den unterschiedlichsten Zielvorstellungen an. Die Ordnung der Seelenkräfte findet man darin nicht grundsätzlich.

Manche Yoga-Stile versuchen möglichst authentisch, an Übermittlungen altindischer Yogameister anzuknüpfen. Man sollte sich jedoch klar machen, dass sich diese Übermittlungen an menschen einer anderen Zeit oder einer anderen Kulturentwicklung wandte. Auch wenn ein solcher Yogameister auf ewige Wahrheiten schauen konnte, vermittelte er dann, was er für seine Zeitgenossen als wichtig und umsetzbar sah und drückte es so aus, dass es für diese eine Brücke bildete. Es ist uns heute schlichtweg nicht mehr möglich, den Anweisungen alter Yogameister zu folgen, ohne in die größten offenen Konflikte mit unserem Weltverständnis und unserer Lebensumgebung zu kommen.
Gerne wird das Erlernen von Yoga mit einer Bergbesteigung verglichen. Diesem Bild folgend ist unser Ausgangspunkt für die Besteigung heute ein anderer als früher, und so würde uns die vormals richtige Wegweisung heute nicht zum Ziel bringen.


So findet man heute im Unterricht oftmals das vor, was an überlieferten Methoden, Übungen und Techniken rasch als wertvoll und nützlich erfahrbar ist und an unser heutiges Welt- und Menschenbild adaptiert werden kann. Die Spannbreite ist dabei sehr groß geworden und beinhaltet Motive wie körperliches Training, Gesundung des Haltungsapparates, innere Sammlung und Ruhe, Anhebung der Lebensenergie, abschalten können und sich wohlfühlen, spirituelle Erfahrungen (was auch immer der Einzelne darunter versteht).
Diese modernen Adaptionen mögen durchaus vom Einzelnen als interessant und bereichernd erlebt werden, man verkennt dabei häufig nur eines: Das, was in unserer heutigen Kultur fehlt, was uns - teilweise uneingestanden - große Probleme bereitet und einer Weiterentwicklung bedürfte, war Geburtshelfer bei vielen dieser modernen Yogaadaptionen und ist in diese wie eingewoben. Dasjenige, was dem heutigen Menschen den Fortschritt ermöglichen würde, ist aber nicht enthalten!

Von Adaptionen von Yogaübungen zu einem modernen Yogastil ist auch zu sprechen, wenn dieser mit klassischen Worten aus dem Sanskrit versehen wird. Zum Beispiel wird mit astanga-Yoga ursprünglich der achtgliedrige Yogapfad nach Patanjali  (vor ca. 1800 Jahren) mit ethisch-moralischen Betrachtungen, Körper- und Atemübungen bis hin zur tiefen Erkenntnissuche in der Meditation bezeichnet. Heute finden wir unter dieser Bezeichnung einen modernen, mehr akrobatischen Yogastil, der u.a. als Workout geschätzt wird. Auch eine indische Herkunft des Begründers eines neuen Yogastils allein ist kein Garant für die Vermittlung indischer Weisheit.

Somit wiederholt der Zeitgenosse unter Umständen im Yoga häufig mehr oder weniger bewusst nur die eingefahrenen Einseitigkeiten unserer Kultur (Stichwort Utilitarismus) auf neuem Boden.
Hier soll aber vermittelt werden, was unsere Kultur aus einem uns noch fremden Wissensgebiet, insbesondere aus einem geisteswissenschaftlich gegründetem Yoga, für seinen nächsten Entwicklungsschritt lernen kann. Dieses Lernen ist nur möglich, wenn man dafür offen ist, Unzulänglichkeiten im bisher Vertrauten für möglich zu halten.

Wie erwähnt soll aber die Ordnung der Seelenkräfte nicht durch eine psychologische oder geisteswissenschaftliche Erörterung geschehen, sondern praxisorientiert anhand dem Üben und Verfeinern einer Yogaāsana. Gewählt wird die Stellung vīrabhadrāsana, der Krieger oder auch der Held genannt. Zunächst sind der Bewegungsablauf und die körperlichen Merkmale der Spannungsverteilung beschrieben.



Die körperbezogene Anleitung von vīrabhadrāsana, Der Krieger

Üben Sie zunächst einmal den folgenden Ablauf: Stellen Sie sich in einem geöffneten Dreiecksstand auf die Yogamatte. Heben Sie die Arme und richten Sie den Rücken aus der Mitte heraus auf (ungefähr aus der Höhe der Nieren). Achten Sie schon in diesem vorbereitenden Schritt darauf, dass die Aufrichtung der Wirbelsäule aus diesem Rückenzentrum die Haltung bestimmt und nicht ein Anspannen von Schultern, Hals oder Armen. Sodann stellt man den linken Fuß nach vorne aus, sinkt in  das linke Knie ein, öffnet die Arme aus der Hebung in eine waagrechte Ausstreckung und richtet den Blick dem linken Arm entlang in die Weite.

In der Endstellung von vīrabhadrāsana bilden die Beine eine kraftvolle Basis, insbesondere wenn Sie mit etwas Übung den Schritt weit wählen und damit mit dem Becken tiefer zum Boden einsinken. Der Oberkörper wird durch eine hochaktive Dynamik aus der Rückenmitte getragen, wodurch die Arme und Schultern leicht bleiben.  Diese Dynamik lässt auch den Hals unverspannt und das Haupt in seiner Haltung leicht und frei.
Halten Sie die Stellung für 20-60 Sekunden und wechseln Sie dann über die Mittenstellung zur anderen Seite.

Während es bei dieser āsana auch Anfängern leicht fällt, den körperlichen Ablauf durchzuführen, erfordert es einiges an Übung, bis die āsana tatsächlich aus der beschriebenen Spannungsverteilung geformt wird. Hier soll nun aber gerade nicht eine trainingsähnliche Übungswiederholung zur Stärkung der Muskulatur angeleitet werden, sondern die Einbeziehung der Seelenkräfte in den Übungsablauf. Genauer gesagt wird sich die beschriebene Spannungsverteilung und die angenehme, überschauende Freiheit des Hauptes in der angestrebten Qualität erst einstellen, wenn der körperliche Ablauf aus geordneten Seelenkräften heraus geführt wird.






Lesen Sie dazu weiter über die Bedeutung einer Imagination für die Gestaltung der āsana
 im Gegensatz zum Üben mit Affirmationen und Suggestionen. . .   » zur Druckversion











Fußnote:

7) Spätestens seit den 1970er Jahren ist die globale Problematik um Umweltschutz und Nachhaltigkeit in die öffentliche Diskussion gekommen. Die Probleme werden seitdem immer genauer erforscht und der materielle Schaden beziffert. Die Gesellschaft ist aber bis heute nicht bereit, den Umgang mit der Natur und der Erde grundsätzlich zu überdenken und weiter zu entwickeln. Dazu lese man z.B. nach bei Harald Welzer :   http://www.waerme-regenerativ.de/energiewende.html#HaraldWelzer
  Leichter Lesen in der  Druckversion
Anleitung Der Krieger virabhadrasana
Bernd Klane und Ursula Klane
Friedrichshafen / Bodensee

E-Mail: info@yoga-in-friedrichshafen.de
Tel. 0 75 41 / 37 27 08
Impressum  l    © B. Klane 2017